NRW Tag in Siegen

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Ganz NRW in Siegen

Schüler Coaching in der Umsetzung in der Praxis

Jahr für Jahr begleiten wir an den Berufsbildenden Schule in Siegen.

Jugendliche auf ihrem Weg in die Berufsbildung bzw. in die Erwerbstätigkeit, wobei die Jugendlichen in den Klassen der Berufseinstiegsschule respektive der Berufsfachschule einer besonderen Begleitung und Förderung bedürfen.

Die Jugendlichen starten in das neue Schuljahr mit dem Wunsch, es dieses Jahr zu packen. Nicht selten bleibt es bei diesem Wunsch.

Die Lehrer und Schüler sind gleichermaßen in der Verantwortung

Dabei liegt ein Scheitern eher selten in einem Mangel an intellektuellen Fähigkeiten der Jugendlichen begründet, als vielmehr in ihren geprägten Mustern und Einstellungen, ihren erlernten und gelebten Strategien im Laufe ihrer Schulsozialisation bzw. an privaten Themen und Belastungen.

Lehrkräfte, die in diesen Klassen unterrichten, erleben den unterrichtlichen Alltag häufig als anstrengend und belastend.

Gleichzeitig ist auf Seiten der Lehrkräfte nach wie vor ein großer Teil der schulischen Arbeit Einzelarbeit, spürbar auch in der Führung von Klassen.

Rückblickend auf viele Jahre im unterrichtlichen Einsatz zeigt sich folgendes Bild: Zu Beginn des Schuljahres übernehmen Lehrkräfte Klassenlehrerschaften und vielleicht wird auch ein(e) Stellvertreter(in) benannt.

Die Pädagogik dahinter

Klassenführung als pädagogisch-didaktisches Aufgabenspektrum, das Jugendlichen Voraussetzungen bietet, Lernfreude und Lerninteresse zu erfahren, der Entfaltung individueller Lernpotenziale dient und somit den Lernerfolg maßgeblich beeinflusst wird in Schulen häufig als  Instrumentarium verstanden, das Unterrichtsstörungen reduzieren soll und  somit Disziplinierung zum Indikator durchsetzungsfähigen Lehrerhandelns macht.

Die Schullaufbahn ist in der Verantwortung der Schüler, Lehrer und Eltern
Die Schullaufbahn ist in der Verantwortung der Schüler, Lehrer und Eltern

Oft wird Klassenführung auch auf den organisatorischen Rahmens verkürzt: Hierzu gehören, die Schulregeln erarbeiten, Anwesenheiten zu prüfen, das Mahnwesen zu regeln und für Gespräche zur Verfügung zu stehen.

Aus Zeitgründen findet ein Austausch unter den Lehrkräften der Klasse zwischen Tür und Angel statt, kurze Gespräche im Lehrerzimmer, bevor der nächste Unterricht beginnt. Wobei der Gesprächsbedarf steigt, wenn in der Klasse Probleme im Arbeits- und Sozialverhalten fühlbar zunehmen, wenn Regeln nicht eingehalten werden, vielleicht das Klassenklima kippt und die Gespräche darum kreisen, wie anstrengend der Unterricht in der Klasse empfunden wird, wie hoch die Belastung ist.

Der Leitfragen zur konkreten Hilfestellung

  • Wie können wir Jugendliche darin unterstützen, ihre Euphorie und ihre Motivation zu Beginn des Schuljahres zu erhalten? Wie kann es gelingen, dass zu Beginn des Jahres vage umrissene Ziel bewusst werden zu lassen und präsent zu halten?
  • Wie gelingt es uns als begleitendes Lehrerteam, den Beziehungskontakt zu einzelnen Schülern zu vertiefen und gleichzeitig im Klassenraum den Aufbau einer sicheren und vertrauensvollen Atmosphäre zu unterstützen, die den Zielerreichungsprozess des einzelnen Jugendlichen begünstigen?

Diese Leitfragen legten den Grundstein für das Mündener Modell. Einen Prozess, der noch andauert. Das Modell fokussiert die individuelle Förderung des Jugendlichen durch das begleitende Lehrerteam mittels eines auf freiwilliger Basis angebotenen Schülercoachings, das dem Jugendlichen Gelegenheit gibt, in seiner Ganzheit mit seinen Themen, Stärken und Ressourcen in Kontakt zu treten.

Gleichzeitig ist das Lehrerteam aufgefordert, die gesamte Klasse mittels einer systematischen Anwendung präventiver Strategien sowie lösungsorientierter Interventionen zu begleiten, die es dem Jugendlichen ermöglichen, seine Entwicklungs- und Veränderungspotentiale zu erkennen und auch zu leben.

Folglich stellt das Modell die Beziehungsgestaltung zwischen Lehrkräften untereinander, zwischen Lehrkräften und Lernenden, zwischen den Lernenden untereinander in den Mittelpunkt und bietet einen guten Nährboden für die Gestaltung gelingender innerschulischer Beziehungen, die im Folgenden kurz skizziert sind:

Beziehungskontakt zwischen den Lehrkräften im Team

Der Entschluss eine Klasse als Team zu coachen, sie als Team wertschätzend zu führen und die Führungsverantwortung gemeinschaftlich zu tragen, gestattet gemeinsam an einem Strang zu ziehen und erlaubt einen konstruktiven Austausch im Team.

Beziehungskontakt zwischen Coaches

Das Coachinggespräch ist freiwillig, vor allem aber vertraulich und findet in einer angenehmen Atmosphäre statt. Der Coach nimmt sich Zeit für den gecoachten und signalisiert es ihm.

Beziehungskontakt der Schüler

Der Start mit der Klasse in das Schuljahr, die gemeinsame Festlegung und Umsetzung von Vereinbarungen zu Beginn des Schuljahres, die Arbeit mit Zielen, die Durchführung von Coachinggesprächen sowie die regelmäßige Reflexion der Einhaltung von gemeinsam getroffenen Vereinbarungen vor dem Hintergrund der individuellen Zielvorstellungen der Jugendlichen, unterstützen diese Ebene des Beziehungskontakts positiv.

Kontakt zu mir selbst ist besonders wichtig

Die Voraussetzung für eine förderliche Gesprächsatmosphäre im Coachinggespräch sowie eine gute Lernatmosphäre im Klassenraum ist der Aufbau einer Beziehungsqualität, in der sich das Gegenüber gewertschätzt fühlt.

Das, was mich gerade gedanklich beschäftigt sowie die daraus resultierenden Gefühle, bringe ich in meiner Körperhaltung, meiner Mimik und Gestik in meinen Worten und Taten zum Ausdruck – Hieraus lässt sich folgern: Jeder Beziehungskontakt setzt konsequenterweise voraus, dass ich einen „guten“ Kontakt zu mir selbst herstellen kann und mir meiner Werte, Einstellungen und Haltungen im Kontakt mit anderen Menschen bewusst werde.

Schüler und Lehrer müssen gemeinsam agieren
Schüler und Lehrer müssen gemeinsam agieren

An unserer Schule nimmt im Laufe der letzten Jahre die Sensibilität für die Bedeutsamkeit kommunikativer Aspekte für zwischenmenschliche Beziehungen und kooperative Umgangsformen zu. Einzelkämpfertum wird zunehmend abgelöst durch ein kollektives Miteinander.

Uns geht es vorrangig darum, Veränderungen nicht nur sporadisch oder nach Beliebigkeit im Hinblick auf Interaktionen im Unterricht, in Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern oder im Gespräch mit Lehrkräften zu leben, sondern die zugrundeliegenden Einstellungen und Haltungen und die daraus resultierenden Verhaltensweisen systematisch zu thematisieren, zu reflektieren und das Augenmerk auf zwischenmenschliche Beziehungen zu legen, die ihren Ausdruck in einer gelingenden Kommunikation in Augenhöhe findet.

Man muss eine gemeinsame Wertebasis schaffen

Die Basis hierfür bildet eine gemeinsam getragene Wertebasis. Diese Wertebasis findet in jedweder Schulgemeinschaft in Leitbildern ihren Ausdruck. Doch wie werden diese Werte in den Schulalltag transportiert?

Welche Werte bzw. welche Haltung bzw. welche Menschenbildannahmen trägt die einzelne Lehrkraft in sich und wie bewusst ist sich die Lehrkraft der Bedeutung dieser Annahmen für eine professionelle Kommunikation, die dem Jugendlichen, ob  wir wollen oder nicht, als Vorbild dient?

Einführung mit System

Im Ergebnis führt eine systematische Implementierung des Mündener Modells nicht nur zu zufriedeneren und leistungsstärkeren Schülern und motivierteren Lehrkräften. Es führt in letzter Konsequenz auch zu einem Mehr an geeigneten Kandidaten für Ausbildungsplätze.

Insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Diskussion zum Thema Inklusion an Berufsbildenden Schulen, ist das Mündener Modell unter dem Gesichtspunkt des “Gemeinschaftlichen Angehens individueller Förderung” ein gelungener Beitrag in der Begleitung von Jugendlichen, die einen Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung sowie im Lernen aufweisen.